Schwerunkt: B Cell memory

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Rolle B-Zellen mit speziellem Schwerpunkt auf Memory B-Zellen als Vorläufer von Plasmablasten und -zellen. Regulär spielt das B-Zell-Gedächtnis eine wichtige Rolle in der Aufrechterhaltung des globalen Immungedächtnisses, speziell jedoch bei der Immunabwehr gegenüber Krankheitserregern. Dieses Gedächtnis kann durch Impfungen erzeugt werden. Andererseits sind dieselben Mechanismen offensichtlich bei autoimmunen Erkrankungen involviert, bei denen „selbst“-reaktive B-Zellen und Antikörper körpereigenes Gewebe und Organsysteme angreifen und zerstören.

Im Mittelpunkt unseres Forschungsinteresses steht die Induktion und Aufrechterhaltung antigenspezifischer B-Zellen, einschließlich ihrer Rolle bei Autoimmunerkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis, der autoimmunen Immunthrombopenie (ITP), dem Sjögren-Syndrom und systemischen Lupus erythematodes (SLE). Neben verschiedenen Immunfunktionen der Memory B-Zellen bei Autoimmunpatienten, insbesondere der Antigenpräsentation, interessieren wir uns besonders für Faktoren und Bedingungen ihrer Differenzierung in Plasmazellen.

Mechanismen der Memory B-Zelldifferenzierung in Plasmazellen untersuchen wir mittels phänotypischer, funktioneller und gezielter molekularbiologischer Analysen auf Einzelzellebene. Eine Möglichkeit des Zugangs zu den grundlegenden Mechanismen ist das Studium regulärer Immunreaktionen bei Gesunder nach Tetanus-Impfung, bei denen wir tetanus-spezifische Plasmazellen und Gedächtnis B-Zellen erforschen. Ausgewählte Ergebnisse dieser Studien nutzen wir in Untersuchung von Patienten mit Autoimmunerkrankungen, beispielsweise mit SLE, primärem Sjögren-Syndrom und der autoimmunen Immunthrombopenie.

Neben Untersuchungen zu Besonderheiten des Memory B-Zellkompartments suchen wir nach individuellen Patientenprofilen hinsichtlich des Therapieansprechens (Biomarker zur personalisierten Medizin) sowie innovativen Therapieansätzen. Aktuell stehen die Identifikation und Validierung neuer molekularer Therapietargets (z.B. CD22, CD74, HLA-DR) und zellulärer Biomarker (z.B. CD27, CD95, HLA-DR) im Zentrum unserer Arbeiten.
Ein Projekt unserer Arbeitsgruppe widmet sich charakteristischen Veränderungen des B-Zell-Systems nach Tetanus-Impfungen als Modell einer Immunaktivierung mit definiertem Antigen und somit der Induktion antigen-spezifischer Lymphozyten. Hierbei verfolgen wir mittels eigens dafür entwickelter Nachweismethoden diejenigen B-Zellen, die spezifisch bei der Impfreaktion entstanden sind. Die Ergebnisse dieser Studien bilden das Fundament für den detaillierten Einblick in die biologischen Mechanismen, die zur Ausprägung des B-Zell-Gedächtnisses führen und zu dessen Regulation und Funktion beitragen.

Weitere Projekte zielen auf die Besonderheiten bestimmter B-Zell-Subtypen ab, insbesondere auf der Ebene der Memory B-Zellen und deren Rolle bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen. Im Ergebnis weisen die bei Patienten mit SLE, Sjögren-Syndrom und ITP nachweisbaren Veränderungen auf differentielle Fehlregulationen der Memory-B-Zellen hin, deren tiefergehende Analyse neue Ansätze für Diagnostik und Therapie liefern können. Als Resultat dieser Strategie konnten wir beispielsweise bei SLE-Patienten CD27++ B-Zellen mit pathogenetischer Bedeutung identifizieren und deren Korrelation mit der Krankheitsaktivität belegen.

Ansprechpartnerin

Karin Reiter