Axiale Spondyloarthritis

Axial =  das Achsenskelett (die Wirbelsäule) betreffend

Spondyl = Wirbelkörper

- ititis = entzündlicher Prozess

Krankheitsbild

Die axiale Spondyloarthritis (SpA) ist eine chronische rheumatisch-entzündliche Systemerkrankung, die mit einer Entzündung an der Wirbelsäule einhergeht. Der Prototyp der axialen Spondyloarthritis ist die ankylosierende Spondylitis (auch Morbus Bechterew genannt).

Das klinische Erscheinungsbild der Erkrankung ist in erster Linie durch das Vorhandensein von chronischen (> 3 Monate) sog. entzündlichen Rückenschmerzen gekennzeichnet. Dieser beginnt in der Regel schleichend vor dem 45. Lebensjahr, tritt oft nächtlich bzw. in den frühen Morgenstunden auf (Patienten wachen zum Teil auf aufgrund der Rückenschmerzen auf), bessert sich bei Bewegung aber nicht in Ruhe, ist mit einer Morgensteifigkeit von i.d.R. über 30 Minuten verbunden und kann wechselseitig im Gesäßbereich auftreten. Weitere Symptome, die auftreten können, umfassen Gelenkschwellungen (oft asymmetrisch an den unteren Extremitäten), eine Regenbogenhautentzündung an den Augen, Fersenschmerzen (durch entzündliche Sehnenansatzentzündungen), eine Schuppenflechte an der Haut (Psoriasis) oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Die klassische ankylosierende Spondylitis (Ankylose = Gelenkversteifung; Spondylitis = Entzündung eines Wirbelkörpers) ist dadurch charakterisiert, dass an den sog. Kreuz-Darmbein-Gelenken (sog. Sakroiliakalgelenke) knöcherne entzündliche Veränderungen (sog. Sakroiliitis) entstehen. In der Frühphase der Erkrankung erscheinen die Sakroilikalgelenke im Röntgenbild noch normal, obwohl gerade mit neuen Methoden wie der Magnetresonanztomographie (MRT) aktiv-entzündliche Sakroiliitis-Zeichen entdeckt werden können, wodurch eine Frühdiagnose möglich ist, auch wenn das Röntgenbild noch normal erscheint. Die axiale SpA schließt somit die sog. nicht-röntgenologische axiale SpA sowie die röntgenologische axiale SpA (= ankylosiererende Spondylitis) ein.  Die axiale SpA ist mit einer Häufigkeit von etwa 0,5% eine recht häufige Erkrankung, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen (Verhältnis etwa 2-3:1).

Diagnose

Die Diagnose wird auf der Basis der oben genannten Beschwerden gestellt. Blutuntersuchungen können zudem erhöhte Entzündungszeichen sowie ein positives sog. HLA-B27 zeigen (man kann positiv oder negativ für HLA-B27 sein). Weiterhin sollte i.d.R. eine Sakroiliitis im Röntgen des Beckens und/oder in der MRT vorliegen.

Therapie

Die Therapie der ersten Wahl bei axialer Spondyloarthritis besteht in der  Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR; dazu gehören z.B. Diclofenac oder Ibuprofen). Zu beachten ist, dass bei bestehenden Beschwerden diese NSAR konsequent in der erlaubten Tageshöchstdosis eingenommen werden sollten unter Beachtung möglicher Nebenwirkungen. Es kann nach Versagen eines NSARs auf ein anderes NSAR gewechselt werden, worauf manche Patienten besser ansprechen. Die Einnahme von NSAR kann zur Verringerung von Schmerzen, zur Verringerung von erhöhten Entzündungswerten und bei Patienten mit vorbestehenden Knochenspangen an der Wirbelsäule (sog. Syndesmophyten)  zu einer Verringerung der sog. Röntgenprogression führen (unter Röntgenprogression versteht man das zunehmende Wachstum von Knochenspangen entlang der Wirbelsäule, die zu einer Einsteifung der Wirbelsäule mit zunehmender Einschränkung der Beweglichkeit führen kann). Wenn mindestens 2 NSAR versagen und wenn in erster Linie Rückenschmerzen im Vordergrund stehen, so kann der behandelnde  Rheumatologe eine

Therapie mit sog. TNFalpha-Blocker (sog. Tumor-Nekrose-Faktor alpha; TNFa ist ein Entzündungsbotenstoff; wird dieser geblockt, so kann die rheumatische Entzündungsaktivität gesenkt werden) beginnen. Glukokortikoide („Cortison“) oder Basistherapeutika, wie z.B. Methotrexat, spielen bei primären Rückenschmerzen keine therapeutische Rolle. 

Begleitet werden sollte die medikamentöse Therapie von der regelmäßigen Durchführung von Krankengymnastik); weiterhin sollten Patienten mit axialer SpA nicht rauchen, da neuere Daten darauf hinweisen, dass Raucher eine erhöhte Krankheitsaktivität aufweisen und ein  höheres Risiko haben, Knochenspangen an der Wirbelsäule zu entwickeln. 

 Die rheumatologischen Abteilungen der Charité in Charité Mitte sowie am Campus Benjamin-Franklin verfügen über Studienabteilungen, die viele neue innovative Medikamente zur Behandlung der axialen SpA anbieten können.

Interessenten können sich gerne an das Studienteam der Abteilung für „Neue Therapien“  in Charité Mitte (Tel. 030/450 513 025) oder an das Studienteam am Campus Benjamin-Franklin (Tel: 030/ 8445- 64-2160; Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.rheumatologie-berlin.de , hier ist auch eine online-Abklärung von Rückenschmerzen möglich) wenden.

Forschung

Die rheumatologischen Abteilungen der Charité sind national sowie international in ein Netzwerk von Experten-Kliniken eingebunden. Neben zahlreichen klinischen Studien wird in verschiedenen Labors, die auch mit dem Deutschen-Rheumaforschungszentrum Berlin (DRFZ) kooperieren, intensiv an der Erforschung der Krankheitsmechanismen geforscht.