Copyright: Charite
Foto: Heidi Scherm Fotografie
Copyright: Charite
Foto: Heidi Scherm Fotografie

Beispiele akuter Arthritiden (Gelenkentzündungen)

Hier erhalten Sie Informationen zu verschiedenen Beispielen akuter Gelenkentzündungen aus der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité in Berlin am Campus Mitte

Sie befinden sich hier:

Infektarthritis

Die akute septische (eitrige) Arthritis stellt eine Notfallsituation dar. Sie zeichnet sich durch ein gerötetes, überwärmtes, sehr schmerzhaftes Gelenk aus und wird oft von Fieber begleitet. Bei dieser Erkrankung sollte umgehend eine Gelenkpunktion zur Differenzialdiagnostik erfolgen. In 90 Prozent der Fälle ist nur ein einziges Gelenk befallen, wobei Knie- und Hüftgelenk am häufigsten betroffen sind. Bei dieser Form der Arthritis findet sich ein vermehrungsfähiger Erreger in der Gelenkflüssigkeit. Er kann zum Beispiel durch eine direkte Verletzung oder eine Sepsis (Blutvergiftung) ins Gelenk gelangt sein. Der häufigste Erreger der eitrigen Arthritis beim Erwachsenen ist der Staphylokokkus aureus. Allerdings können auch Viren wie zum Beispiel Hepatitis-B-Viren, Mumps- und Rötelnviren zu einer eitrigen Arthritis führen.

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, wobei der Altersgipfel zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr liegt. Frauen sind etwa drei- bis viermal häufiger betroffen als Männer. Als fortschreitende Erkrankung geht die RA mit Schmerzen, Schwellungen und Gelenkdeformation einher. Der Befall der Gelenke ist symmetrisch, wobei typischerweise zunächst die kleinen Finger-, Zehen- und Handgelenke betroffen sind. Die Erkrankung kann akut oder subakut auftreten. Die Patienten berichten über eine Morgensteifigkeit von mehr als 45 Minuten Dauer, die sich im Tagesverlauf bessert. Hinzu kommen Müdigkeit, fiebrige Temperaturen und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Morbus Still

Der Morbus Still wird als eine Sonderform der RA diskutiert, die überwiegend im Kindes- und Jugendalter bis zum 35. Lebensjahr auftreten kann. Möglich ist aber auch ein adultes ("erwachsenes") Morbus-Still-Syndrom, das Patienten jeden Alters betreffen kann. Hinweise auf einen Morbus Still findet der Arzt im relativ akuten oder aber subakuten Krankheitsbeginn mit Gelenkschwellungen, masernähnlichem Ausschlag und Fieberschüben mit hohen Temperaturen. Zudem können eine Leber- und Milzvergrößerung sowie Lymphknotenschwellungen auftreten. Der Patient fühlt sich sehr krank.

Rheumatisches Fieber

Das rheumatische Fieber ist sehr selten und kommt häufig in der türkischen Bevölkerung vor. Zwei bis drei Wochen nach einem Streptokokkeninfekt entwickelt sich erneut hohes Fieber mit Entzündungen vor allem der großen Gelenke. Während der Erkrankung kann es zum so genannten Veitstanz (Chorea minor) kommen. Spätkomplikationen sind die Herzinnenhaut- und Herzmuskelentzündungen, die zu Herzklappenfehlern führen können. 

Reaktive Arthritis

Bei der reaktiven Arthritis sind asymmetrisch mehr als ein, aber weniger als fünf Gelenke entzündet. Sie tritt ein bis vier Wochen nach einer Infektion auf. Ebenso kann es ein bis sechs Wochen nach einer Infektion des Magen-Darm- oder des Harn- und Genitaltrakts zu einer akuten Arthritis vor allem im Bereich der unteren Extremitäten kommen. Zirka 90 Prozent der Erkrankten haben eine genetische Veranlagung zum HLA-B-27. Ursache einer reaktiven Arthritis können auch Halsentzündungen oder ein Zeckenstich sein. Eine besondere Form der reaktiven Arthritis ist das Reiter-Syndrom, das unter anderem an Harnröhrenentzündung und Bindehautentzündung zu erkennen ist. Es tritt häufig zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Die akuten Gelenkbeschwerden können drei bis fünf Monate andauern, von einer chronischen Verlaufsform wird bei einer Erkrankungsdauer von mehr als 12 Monaten gesprochen.

Lyme-Arthritis

Der Hauptüberträger der Lyme-Borreliose ist die Zecke, die weltweit und hauptsächlich in den gemäßigten Klimazonen vorkommt. Die Übertragung erfolgt durch einen Zeckenstich. Der Erreger bleibt nach dem Eindringen lange Zeit in der Haut nachweisbar. Durch eine antibiotische Therapie können 90 Prozent der Patienten geheilt werden.

Morbus Bechterew

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäulengelenke. Sie beginnt typischerweise zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Männer sind zehn Mal häufiger betroffen als Frauen. Typisch ist ein tief sitzender Rücken- oder Kreuzschmerz in den Morgenstunden, der sich bei Bewegung bessert. Im Gegensatz zur RA ist der Gelenkbefall typischerweise asymmetrisch. In 90 Prozent der Fälle ist HLA-B-27 nachweisbar. 

Psoriasisarthritis

Die Psoriasisarthritis tritt bei zehn Prozent aller Patienten mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) im Verlauf der Erkrankung auf. Gekennzeichnet ist die Psoriasisarthritis durch einen strahlenförmigen Befall der Fingergrund-, mittel- und -endgelenke, der auch als "Wurstfinger" bezeichnet wird. Es können aber auch die Zehengelenke befallen sein. Die Haut über den entzündeten Gelenken ist derb und blassbläulich verfärbt. 

Loefgren-Syndrom

Das Loefgren-Syndrom ist eine Form der akuten Sarkoidose. Die Gelenke schwellen akut, zusätzlich kann die so genannte Knotenrose (Erythema nodosum) auftreten.

Arthritiden bei Stoffwechselerkrankungen

Bei erhöhter Zufuhr von Purinen und erhöhtem Alkoholkonsum, vor allem Bier, kann es zu einem akuten Gichtanfall kommen. Erkennbar ist er an einem vermehrten Ausfall an Harnsäure, der im Labor nachweisbar ist. Meist ist das Großzehengrundgelenk befallen.